MARX200: POLITIK - THEORIE - SOZIALISMUS

Foto: Marx Remix

Call for Conference

Kongress in Berlin, 2.-6. Mai 2018
Rosa-Luxemburg-Stiftung

Für das Einfache, das so schwer zu machen ist...
Die Rosa-Luxemburg-Stiftung lädt zum Kongress anlässlich des 200. Geburtstags von Karl Marx ein - eine kurze Woche mit Theorie, Politik und Kunst rund um das Marx’sche Jubiläum. Viele werden Karl Marx feiern wollen, als großen Denker, einer der größten vielleicht, aber als einen, der uns heute nicht mehr viel zu sagen hat. Wir sehen das anders. Einige werden immer noch seine brillante Krisentheorie rühmen, aber seine politische Perspektiven entnennen wollen. Andere werden die von ihm und Engels inspirierte „wirkliche Bewegung“, den Kommunismus, für den Realsozialismus, zahlreiche Gräueltaten, den Gulag verantwortlich machen wollen und damit jede Sehnsucht nach einer anderen, nicht-kapitalistischen Zukunft als idealistisch und gefährlich brandmarken. Wir nicht. Natürlich bedarf es kritischer Selbstreflektion marxistisch inspirierter Politik - aber eben auch ihrer kritischen Rückgewinnung für eine radikale Perspektive der Emanzipation und Befreiung, für das Einfache, das so schwer zu machen ist, eine Zukunft, eine Hoffnung, die uns Antrieb sein kann, im hier und jetzt, um »…alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist«.

Geplant sind neben zentralen Vortrags- und Podiumsdiskussionsveranstaltungen breite Möglichkeiten zu Vorträgen, Podiumsdiskussionen und Workshops, die sich mit zentralen Fragestellungen und Themen der Marxschen Theorie, des Marxismus, der Politik und den Perspektiven des Sozialismus auseinandersetzen. Wir laden hierzu Individuen, Gruppen und Zeitschriftenprojekte ein, Vorschläge für Panels, Vorträge und Präsentationen einzureichen. 

Karl Marx selber verstand sich nicht als „Marxist“, fertige Antworten lehnte er ab, einen geschichtsphilosophischen Schlüssel zum Verständnis der Geschichte wollte er so wenig geben wie er ein sozialistisches System schaffen wollte. Doch verstand er seine theoretischen Bemühungen als Beitrag zur Überwindung der kapitalistischen Welt. An seine Theorie haben historisch und aktuell eine Vielzahl von intellektuellen Strömungen, gesellschaftsverändernden Aktivitäten, Organisationen und Parteien der verschiedensten Art angeschlossen. Das blieb nicht folgenlos für die Theorie von Marx. Sie wurde um viele fruchtbare Fragen und Begriffe angereichert, produktive Forschungen und emanzipatorische Bewegungen haben sie erweitert und erneuert.

Doch es gab auch die dunkle Kehrseite. Sie wurde im Staatssozialismus und von zahlreichen linken Gruppen auch als Ideologie dogmatisiert und im Kleinen und Großen als Herrschaftsmittel in den gesellschaftlichen Auseinandersetzungen funktionalisiert. Deswegen gibt es seit langem eine Diskussion nicht nur über philologische Aspekte oder innertheoretische Problemstellungen im Werk von Marx und in den an ihn anschließenden Bemühungen, sondern auch darüber, ob sich emanzipatorische Bewegungen auf das Werk von Marx beziehen können und in welcher Weise sie dies tun sollten. Ist er auch für Linke lediglich ein Klassiker, der seinen Platz in der Geschichte der Philosophie und ökonomischen Lehren findet, oder bildet seine Theorie auch heute noch einen Maßstab für verändernde Theorie und Praxis?

Wir stellen deswegen die Frage, was es heute bedeutet, Marxist*in zu sein – in den verschiedenen Feldern der materialistischen Theorie, der Gesellschaftsanalyse und des politischen Aktivismus. Das Verhältnis von Theorie und verändernder Praxis, die Frage nach den Subjekten der Transformation/Revolution, die Kunst der Politik revolutionärer Realpolitik (Luxemburg), einer neuen Klassenpolitik und die Fluchtlinien sozialistischer Perspektive und Utopie stehen dabei im Vordergrund. Dies wollen wir u.a. in den folgenden Feldern diskutieren:

  • Karl Marx und die Gewerkschaften/Marxist*sein in der Gewerkschafts- und Arbeiter*innenbewegung
  • Karl Marx und die politische Partei/Marxist*sein in sozialistischen Parteien
  • Karl Marx, der Staat und die Demokratie/marxistisch und demokratisch sein
  • Karl Marx, das Patriarchat und Geschlechterverhältnisse/Marxist*sein in feministischen und LGBTQIA-Bewegungen
  • Karl Marx und die politische Ökologie/Marxist*sein in der Umweltbewegung
  • Karl Marx, Imperialismus, Migration und Rassismus/Marxist*sein in der antiimperialistischen, postkolonialen, Friedens-, Flüchtlingssolidaritäts- und antirassistischen Bewegung
  • Karl Marx und die extreme Rechte/Marxist*sein in der antifaschistischen Bewegung
  • Karl Marx und die (Politik in der) Kultur/Marxist*sein in der Politik des Kulturellen
  • Karl Marx als Philosoph/Marxist*sein in der Philosophie
  • Karl Marx und die (Kritik der) politischen Ökonomie/Marxist*sein in der politischen Ökonomie und ihrer Kritik
  • Karl Marx, die soziale Frage und die Klassentheorie/den globalen Kapitalismus und gesellschaftliche Klassenformierung mit Marx analysieren
  • Was gibt es Neues in der Krisentheorie von Karl Marx?/Analyse der gegenwärtigen Krise des Kapitalismus mit Karl Marx
  • Marx und Geschichte, Geschichte von unten/ Marxist*sein als Historiker*in
  • Karl Marx und der Sozialismus und Kommunismus
  • Karl Marx und die Kunst/Marxist*sein in der Kunst
  • Karl Marx und die politische Theorie
  • Karl Marx als Journalist/Marxist*sein in den Medien
  • Karl Marx und das digitale Zeitalter
  • Was gibt es Neues in der marxistischen Philologie?
  • Warum wird/bleibt eine/r Marxist*in und warum nicht?

Am 5. Mai, dem Geburtstag von Marx, wird es einen besonderen Event mit dem Theater Hebbel am Ufer (HAU) in Berlin zum Thema „gefährliche Klassen“ geben.

SPRACHE:
Die Konferenzsprachen sind Deutsch und Englisch (in vereinzelten Fällen können unter Umständen auch spanische und französische Vorträge und Podiumsdiskussionen berücksichtigt werden).

REISESTIPENDIEN:
Die Rosa-Luxemburg-Stiftung vergibt in Einzelfällen internationale Reisestipendien, insbesondere für Vortragende aus dem globalen Süden. Grundsätzlich gilt jedoch, dass Vortragende dazu angehalten sind, sich bei ihren (Heim-)Institutionen (Gewerkschaften, politische Initiativen, Stiftungen oder Universitäten) um Reiseförderung zu bemühen.

Wir bitten darum, die Konferenzausschreibung breit zu verteilen und in den sozialen Medien zu teilen.

Vortrags- und Podiumsvorschläge bitten wir, an die folgende Emailadresse zu senden: marx200conference@rosalux.org

Die Bewerbungsfrist für die Einreichung von Vorträgen, Podien und Workshops ist der 30. September 2017. Entscheidungen über die Vorschläge wollen wir bis zum 31. Oktober 2017 mitteilen.