Parteien und Bewegungen nach Marx

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Die sich an Karl Marx orientierenden Strömungen der Gesellschaftskritik, die überblicksartig in „Theorien und Debatten nach Marx“ vorgestellt werden, lassen sich natürlich kaum abkoppeln von der organisierten politischen Praxis. Schon Marx selbst bezog sich nach seinem „Abschied“ von den Junghegelianern auf sie und insbesondere auf das Proletariat. Dies wurde nicht nur Gegenstand ökonomischer Analysen, es erhielt auch den Charakter eines historischen Subjekts. Als „Politiker“ wirkten Karl Marx und Friedrich Engels in den Gründungsjahren der Arbeiterbewegung mit.

Die Organisationen und Parteien der ArbeiterInnenbewegung haben im Lauf der Geschichte auf unterschiedliche Weise und an unterschiedlichen Orten „ihren Marx“ zum Bezugspunkt gemacht. Politische Konflikte und strategische Kurswechsel in der Bewegung waren meist begleitet von Diskussionen über den „richtigen Marxismus“. Das enge Wechselverhältnis von Marxismus und ArbeiterInnenbewegung kommt selbst da noch zum Ausdruck, wo die Theorie gegenüber dem Proletariat skeptisch wird – vor allem nach 1945 stellen einige Strömungen im Marxismus die Arbeiterklasse als revolutionäres Subjekt infrage.

Wenn hier neben den „Theorien und Debatten nach Marx“ nun auch der Versuch unternommen wird, einen groben Überblick über die „Parteien und Bewegungen nach Marx“ zu geben, so liegen einerseits Doppelungen in der „Natur der Sache“, andererseits wird für beide Darstellungen keine Vollständigkeit beansprucht.

Nicht nur zwischen den im Folgenden kurz skizzierten Parteien und Bewegungen und der Entwicklung in der theoretischen Kritik bestand immer ein Wechselverhältnis, auch innerhalb dieser Parteien und Bewegungen gab es Überschneidungen, unterschiedliche Phasen, (Ab-)Spaltungen. Die Übersicht unternimmt gleichwohl den Versuch, die weltweite, vielfältige und stets im Wandel und Umbruch begriffene Praxis in ihren Grundzügen vorzustellen – von den Anfängen der ArbeiterInnenbewegung zu Marx Zeiten über die von Massenorganisationen geprägte erste Hälfte des 20. Jahrhunderts und den zum Staat gewordenen Parteien bis zu den vergleichsweise marginalen und oft akademisch anmutenden politischen Bewegungen von der Nachkriegszeit bis heute.

Die Darstellung ist eher als Aufzählung und Chronologie gehalten, d.h. die Länge der jeweiligen Vorstellungstexte sagt nichts über Relevanz, Einfluss oder Gehalt der behandelten Parteien, Organisation und Bewegungen aus.

Von Marx‘ Tod bis zur Oktoberrevolution

Erste Parteien und Bewegungen des Marxismus bilden sich bereits zu den Lebzeiten von Karl Marx in einer Zeitspanne, die von der Abfassung des „Anti-Dühring“ durch Friedrich Engels (ab 1877) bis zum Erfurter Programm der deutschen Sozialdemokratie (1891) reicht.

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Von der Oktoberrevolution bis zum Zweiten Weltkrieg

Der erste große Einschnitt in der Geschichte der Parteien und Bewegungen nach Marx ist ein doppelter: Mit der Oktoberrevolution von 1917 und der Gründung der Dritten – und explizit: Kommunistischen – Internationale 1919 in Moskau, manifestierte sich auf internationaler Ebene die Aufspaltung linker Kräfte in zwei konkurrierende Hauptströmungen.

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Der Zeitraum 1945 bis 1989

In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg änderte sich für die Parteien und Bewegungen nach Marx die Situation grundlegend. Wichtige Zäsuren bildeten das Jahr 1956, als der XX. Parteitag der KPdSU die „Entstalinisierung“ einleitete und eine teilweise Delegitimierung des Sowjetmarxismus nach sich zog, sowie das Jahr 1968, das für die Studenten- und Arbeiterunruhen in vielen Ländern steht.

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