„Was das Proletariat zuerst braucht, ist das Klassenbewusstsein.“

Vorwort zur Volksausgabe des 2. Bands des Kapital, besorgt von Karl Kautsky. J.H.W. Dietz Nachfolger, 1926

Vorwort zur Volksausgabe

Dieselben Gründe, die mich vor einem Dutzend Jahren bewogen, den Auftrag des Parteivorstandes der deutschen Sozialdemokratie auf Herausgabe einer Volksausgabe des ersten Bandes des Marxschen „Kapital“ zu übernehmen, haben mich veranlaßt, demselben Ruf für den zweiten und dritten Band zu folgen. Von Engels herausgegeben, wurden diese beiden Bände jetzt frei, 30 Jahre nach seinem Tode.

Ich habe die Aufgabe übernommen trotz schwerer Bedenken, verzögert sie doch den Abschluß einer großen Arbeit, mit der ich schon lange beschäftigt bin. Und meine Arbeitskraft erlaubt mir nicht mehr so intensives Schaffen wie ehedem. Endlich konnte ich nicht mehr auf die Mithilfe der beiden Freunde rechnen, die mir bei der Herausgabe des ersten Bandes zur Seite gestanden waren. Rja­sanow, der das Register fertigstellte, hat sich räumlich wie politisch so sehr von mir entfernt, daß ein Zusammenarbeiten schwer möglich ist. Und Gustav Eckstein, eine der größten Hoffnungen der jüngeren Generation der Marxisten, erlag im Sommer 1916 den Entbehrungen, die der Weltkrieg ihm wie uns allen auferlegte und denen sein kran­ker Körper nicht gewachsen war.

Glücklicherweise fand ich einen ausreichenden Helfer in meinem Sohne Benedikt, der in ökonomischen Dingen theoretisch und auch —als Sekretär der Wiener Arbeiterkammer — praktisch gut geschult ist, konsequent marxistisch denkt und den zweiten und dritten Band des Kapital“ aufs gründlichste durchgeackert hat. Wir arbeiteten nach gemeinsamem Plan zusammen, dabei ist aber immer mehr der größte und schwierigste Teil der Arbeit auf ihn gefallen. Ich werde als Her­ausgeber genannt, weil ich den Auftrag zur Ausgabe erhielt, sie kontrollierte und die volle Verantwortung für sie trage. Aber an der Arbeit des Herausgebers hat mein Sohn wohl größeren Anteil als ich.

Das Register stammt vollständig von ihm. Dessen Abfassung war diesmal noch weniger leicht als für den ersten Band; denn dem zweiten und dritten Band fehlen viel mehr konkrete Tatsachen, es überwiegen dort abstrakte Gedankengänge, die für ein Sachregister kaum zu fassen sind.

Aber auch bei der Herausgabe des Textes erwies sich unsere Auf­gabe über Erwarten groß und schwierig. Allerdings, hätten wir bloß eine Volksausgabe veranstalten wollen, wäre die Arbeit ge­ringer gewesen als am ersten Band.

Wie bei diesem, sollte auch bei dem zweiten und dritten Band das Wesen der Volksausgabe nicht dadurch erreicht werden, daß wir den Text irgendwie „popularisierten“. Den Ideengehalt des „Kapital“

in dieser Weise leichter verständlich zu machen, ist bereits durch Schriften anderer Art versucht worden; so für den ersten Band von mir selbst. Solche Bücher können aber nur als Einführung in das Studium des „Kapital“ betrachtet werden, sie machen das Studium des Originals mit seiner ganzen Tiefe und Fülle nicht überflüssig.

Die Volksausgabe soll dieses Studium jenen erleichtern, die im­stande und gewillt sind, sich an schwere Denkprobleme heranzumachen, dabei aber durch den äußerlichen Umstand behindert werden, daß ihnen nicht eine akademische Bildung zuteil wurde, so daß sie mit der Technik des Wissens, zum Beispiel mit fremden Sprachen und den Fachausdrücken der Wissenschaft, nicht vertraut sind.

Das Marxsche „Kapital“ stellt in dieser Beziehung außerordent­lich hohe Ansprüche an seine Leser, weit mehr, als das in der soziali­stischen Literatur in der Regel der Fall ist, und auch mehr als die meisten Werke der bürgerlichen Oekonomie. Das Studium des „Kapi­tal“ trotzdem jedem intelligenten, mit unserer Literatur einigermaßen vertrauten, in selbständigem Denken geübten Leser möglich zu machen, war unsere erste Aufgabe bei der Herausgabe des zweiten und dritten, ebenso wie schon des ersten Bandes. Unsere Grundsätze waren hier wie dort die gleichen. Ich habe sie schon im Vorwort zur Volksausgabe des ersten Bandes dargelegt.

Wir haben alle fremdsprachlichen Zitate und Ausdrücke über­setzt und die Uebersetzung dem Original in eckiger Klammer hinzu­gefügt. Auch alle sonstigen Einschiebungen in eckiger Klammer stammen von uns. Nicht jeder Fachausdruck läßt sich völlig aus­reichend deutsch wiedergeben, und bei einer Uebersetzung mag mancher eine andere Wendung glücklicher finden als die von uns gewählte. Wir haben daher nicht bloß die Uebersetzung, sondern auch das Original mitgeteilt, das dem Sprachkundigen stets will­kommen sein wird.

Kommentare haben wir ebensowenig wie im ersten Bande ge­geben. Jeder Versuch einer Bevormundung der Leser wurde unter­lassen. Nur hin und wieder gaben wir erläuternde Noten, wo wir an­nahmen, daß sie das Verständnis erleichtern würden, ohne eine be­stimmte Auffassung zu suggerieren. Solche Noten wurden mit K. gezeichnet, die von Engels herrührenden und als solche kenntlichen Noten und Einschiebungen mit F. E. Die mit keinem Kennzeichen versehenen rühren von Marx her oder von Engels, ohne als solche kenntlich zu sein

Die Arbeit an Uebersetzungen und Erläuterungen, die uns hier zufiel, war etwas geringer als beim ersten Band. Sind doch der zweite und dritte Band nicht druckfertig von Marx hinterlassen, sondern aus vorbereitenden Fragmenten von Engels zusammengefügt worden. Es fehlen daher die zahlreichen Fußnoten mit ungeheurer Zitatenfülle, die den ersten Band kennzeichnen und so reizvoll machen. Allerdings blieben immerhin genug fremdsprachliche Zitate, die ins Deutsche zu übertragen waren.

Dadurch, daß Engels statt Marx die Schlußredaktion vornahm, wurden aber auch die zahlreichen Anglizismen fast ganz ausgetilgt, die in den Marxschen Manuskripten seiner späteren Zeit und auch im ersten Band des „Kapital“ so sehr überwucherten und einen großen „Reinigungsprozeß“ nötig machten.

Alles das nahm uns für die vorliegende Ausgabe relativ weni­ger in Anspruch. Vergrößerte Arbeit erwuchs uns dagegen daraus, daß es uns darum zu tun war, nicht bloß eine Volksausgabe herzustellen. So wie die von mir veranstaltete Ausgabe des ersten Bandes, sollte auch die der beiden letzten Bände nicht nur mit Behelfen versehen sein, die das Studium dem nicht akademisch Vorgebildeteten erleichterten, sondern sie sollte auch dem wissenschaftlichen Fachmann dienen, sollte die bisher zuver­lässigste Ausgabe des „Kapital“ überhaupt darstellen.

Wir konnten dabei freilich nicht so weit gehen, wie mancher unserer Freunde wünschte.

Wir haben bereits darauf hingewiesen, daß der Text des zweiten und dritten Bandes von Engels aus einer Reihe von Marxschen Manuskripten hergestellt wurde, die teilweise sehr bruchstückartigen Charakter trugen, von denen keines druckreif war.

Es sind nun Vermutungen laut geworden, Engels habe nicht immer den Marxschen Gedankengang voll erfaßt und die Manuskripte nicht immer diesem Gedankengang entsprechend angeordnet und redigiert. Daher sprachen manche meiner Freunde den Wunsch aus, ich solle den von Engels fertiggestellten Text an der Hand der Marxschen Manuskripte nachprüfen und richtigstellen.

Dieser Anforderung konnte ich nicht entsprechen. Nehmen wir an, es gelänge mir, die ungeheure Arbeit zu wiederholen, die Engels fast ein Jahrzehnt lang beschäftigte, und ich käme dabei in dem einen oder andern Punkte zu einem andern Ergebnis als Engels. Welche Gewähr hätten die Leser, daß gerade meine Auffassung dem Marxschen Gedankengang näher käme als die Engelssche?

Um allen Bedenken zu genügen, wäre es notwendig, den Kri­tikern die Möglichkeit zu geben, selbst zu urteilen. Das heißt, man müßte sämtliche Marxschen Manuskripte, so wie sie sind, veröffent­lichen. Das ergäbe mit großem Kraftaufwand ein ganz unleserliches Buch, das bloß für einige Dutzend Marxforscher von Interesse wäre. Eine wissenschaftliche Institution mit großen Hilfsmitteln und zahl­reichen Arbeitskräften könnte diese sicher bedeutungsvolle Aufgabe lösen. Die jüngst angekündigte, von Rjasanow besorgte Gesamt­ausgabe der Werke von Marx und Engels des Moskauer Marx-Engels­Instituts wird sie wohl unternehmen. Soll doch das „Kapital“ in dieser Ausgabe allein 13 Bände umfassen.

Ich allein vermöchte eine solche Arbeit nicht zu leisten, selbst wenn ich jünger wäre und nicht vor Abschluß meines Lebens noch einiges andere zu schaffen gedächte.

Für mich konnte es sich hier nur darum handeln, den Text, so wie Engels ihn geliefert, möglichst einwandfrei zu gestalten. Auch das kostete uns Mühe genug.

In die ersten Auflagen, deren Korrekturen Engels selbst be­sorgte, hatten sich bereits zahlreiche Druckfehler eingeschlichen. Weitere kamen in den folgenden Auflagen hinzu. Die Fehler waren, soweit sie nicht bloße Buchstabenfehler bildeten, vielfach schwer zu entdecken, da man leicht über sie hinweg las, und dabei doch sinn-störender Natur. Auch Schreibfehler ließen sich feststellen, kein Wunder bei dem unvollständigen Zustande des Manuskripts, das Marx teilweise als kranker Mann schwer und schleppend hergestellt hatte.

Nicht immer war einwandfrei festzustellen, ob ein Versehen vor­liege oder nicht. Wo nur der geringste Zweifel möglich war, haben wir die ursprüngliche Fassung gelassen und auf die nach unserer An­sicht richtige in einer Einschiebung oder Note hingewiesen.

Hoffentlich ist es uns gelungen, einen von Druck- und Schreib­fehlern reineren Text zu liefern. Alle Druckfehler aus einem so um­fangreichen Werke auszumerzen, wird kaum je gelingen.

Besondere Schwierigkeiten bot die Nachprüfung der Zitate. Ihre Zahl ist in den beiden späteren Bänden weit geringer als im ersten, aber ihre Nachprüfung schwieriger; denn da, wie schon bemerkt, die Manuskripte noch nicht für den Druck bestimmt waren, begnügte sich Marx bei manchem von ihm angeführten Satz mit allgemeiner Andeutung des Buches, dem er entnommen worden. Da war es keine einfache Sache, die richtige Stelle ausfindig zu machen. Und doch erwies sich die Nachprüfung als sehr notwendig, um so mehr, da Marx mitunter den Inhalt des Zitats nur ungefähr wiedergab, einige Male so verkürzt, daß ein ganz falscher Schein entstand.

Bei dieser Arbeit des Aufspürens und Nachprüfens der Zitate wären wir wohl kaum zurecht gekommen ohne die eifrige und gewissen­hafte Hilfe von Freunden. Fritz Adler, Oskar und Marianne Pollak, William Stenning in London, Albert Kruse in Berlin, Fritz Brügel, der Leiter der ausgezeichneten Bibliothek der Arbeiterkammer in Wien, haben uns freudig und verständnisvoll bei unserer Arbeit unterstützt. Ihnen allen sei an dieser Stelle aufs herzlichste gedankt.

Zu den schon erwähnten Schwierigkeiten gesellte sich noch eine, die bei der Herausgabe des ersten Bandes fast gar nicht bestand. Der zweite und dritte Band sind voll von Rechnungen und Tabellen, bei denen Marx sich häufig irrte. Engels hat nachgerechnet, wo ihm ein Irrtum auffiel, aber nicht jeder fiel ihm auf. Wir fühlten uns daher verpflichtet, sämtliche Rechnungen noch einmal nachzurechnen. Hoffentlich waren wir dabei glücklicher als unsere großen Vorgänger. Die Schwierigkeiten bei den Rechnungen erstanden zumeist daraus — und darum hätte uns ein Rechenkünstler nicht viel helfen können —, daß es bei jeder Rechnung galt, die willkürlich angenommenen ziffernmäßigen Voraussetzungen genau festzuhalten, auf die sie aufgebaut war. Das war im Original nicht immer der Fall. Die Rech­nungen wurden nicht vereinfacht dadurch, daß Marx statt mit dezimalen, mit gemeinen Brüchen rechnete, auch bei Prozentrech­nungen.

Wir haben auch hier unsere Resultate nicht einfach an Stelle der von Marx-Engels veröffentlichten gesetzt, sondern diesen gegenüber­gestellt und damit jedem Leser die Möglichkeit gegeben, die zweifel­haften Rechnungen selbst nachzuprüfen.

Wir glauben allerdings nicht, daß sich viele Leser diese Mühe geben werden. Und sie werden recht haben, wenn sie darauf ver­zichten. Diese Ueberzeugung bildete allerdings gerade keinen An­sporn bei dieser ebenso mühseligen wie undankbaren Seite unserer Herausgeberarbeit.

Ich bin nämlich davon überzeugt, daß Marx, wäre es ihm ver­gönnt gewesen, die beiden letzten Bände selbst zu vollenden, dabei einen erheblichen Teil der Rechnungen weggelassen hätte, die in ihnen zu finden sind. Sie waren ihm wichtig zu seiner Selbstver­ständigung, sie bezeugen die kritische und gewissenhafte Art seiner Arbeit, bei der er sich nicht damit begnügte, neue Gedanken zu ent­decken und auf ihre Stichhaltigkeit zu prüfen, sondern sich angelegen sein ließ, jeden von ihnen in alle seine Konsequenzen zu verfolgen, ehe er ihn als richtig akzeptierte. Aber Marx hätte wohl ebensowenig diese gesamte Forscherarbeit seinen Lesern vorgesetzt, als er alle die Tatsachen im „Kapital“ verzeichnete, von denen seine theoretischen Erwägungen ausgingen.

Es erstand die Frage, ob wir nicht die Rechnungen, soweit sie entbehrlich sind, aus der Volksausgabe weglassen sollten. Aber da­gegen sprach schon der eine Umstand, daß unsere Arbeit nicht nur eine Volksausgabe, sondern auch eine für alle wissenschaftlichen Zwecke zum mindesten ebensosehr wie die bisherigen geeignete Ausgabe darstellen sollte. Es durfte daher nichts von dem fehlen, was in den bisherigen Auflagen zu finden war.

Nun erwog ich, ob man sich nicht in der Weise helfen könnte, daß man zwar nichts von dem durch Engels veröffentlichten Text wegließ, wohl aber diejenigen Stellen durch eine besondere Art des Satzes kennzeichnete, die der Durchschnittsleser sich schenken könnte, der nicht zu gelehrten Zwecken, sondern nur zu allgemeiner Aufklärung über das Wesen des Kapitalismus an das Marxsehe Werk herangeht.

Indes auch dieser Ausweg erwies sich als ungangbar. Denn bei näherer Betrachtung fanden wir keine Stelle, die wir einfach hätten weglassen können, ohne die theoretische Entwicklung zu stören.

Wenn Marx die beiden Bände fertiggemacht hätte, wären aller­dings, davon bin ich überzeugt, viele der im folgenden veröffent­lichten Ausführungen und Rechnungen beseitigt worden. Aber er hätte sie nicht einfach weggelassen, sondern dieselben Gedanken­gänge, die er hier breit auf vielen Seiten variierte, knapp und präzis in wenigen Sätzen zusammengefaßt. Das vermochte nur Marx selbst zu leisten, das kann kein anderer für ihn tun. Es ist Engels gar nicht eingefallen, den Text in dieser Weise lesbarer gestalten zu wollen. Und noch weniger durften wir es wagen.

Wir konnten daher dem Leser keine der Rechnungen ersparen. Wir können ihm auch nicht raten, sie einfach zu überschlagen. Er soll sich jedoch durch sie nicht abschrecken und abhalten lassen, in der Verfolgung des Gedankengangs weiter vorzudringen. Wo die Rech­nungen zu viele Schwierigkeiten machen, wird es zunächst genügen, von ihren Ergebnissen Kenntnis zu nehmen und dann im Studium des Werkes fortzufahren.

Bei allen unsern Arbeiten an dieser Ausgabe ging unser Streben stets dahin, sie nicht nur dem Durchschnittsleser leichter lesbar, sondern sie auch für wissenschaftliche Zwecke jeder der bisherigen Auflagen zum mindesten ebenbürtig, womöglich überlegen zu machen. Sollte uns dies gelungen sein, so bezieht sich das natürlich nur auf redaktionelle Kleinigkeiten. Es verschwindet in nichts gegenüber der ungeheuren Arbeit, die Engels vor uns geleistet hat und die keiner an seiner Stelle hätte leisten können. Wie mit dem Namen von Marx, werden der zweite und der dritte Band des „Kapital“ auch mit dem von Friedrich Engels dauernd verbunden bleiben. Sie bilden vielleicht die wichtigste und fruchtbarste Verkörperung des engen Zusammen­arbeitens unserer beiden Meister, dank dem sie so Gewaltiges ge­schaffen haben. Und diese Bände versprechen für die Sache des Proletariats und des Sozialismus bald die gleiche Bedeutung zu ge­winnen, wie sie der erste Band seit Jahrzehnten schon gewonnen hat.

Als ich aufgefordert wurde, eine Volksausgabe des zweiten und dritten Bandes des „Kapital“ in derselben Weise wie vom ersten Band zu veranstalten, fragte ich mich vor allem, ob eine solche Ausgabe einen Zweck habe. Es lag nahe, anzunehmen, daß die beiden Schlußbände im Gegensatz zum ersten ihre Leser nur in Kreisen finden, die einer Volksausgabe nicht bedürfen. Und bis vor wenigen Jahren traf dies auch zu.

In meiner bereits oben erwähnten Popularisierung des „Kapital“, die ich unter dem Titel: „Karl Marx' ökonomische Lehren“ heraus­gab, hatte ich nur den ersten Band behandeln können. Denn diese Popularisierung arbeitete ich im Winter 1885/86 aus, fast ein Jahrzehnt vor dem Erscheinen des dritten Bandes und unmittel­bar nach der Herausgabe des zweiten, der für sich allein nichts Ganzes gab, sondern als bloße Vorbereitung zur Erkenntnis des Gesamtprozesses erschien.

Als dann der dritte Band vorlag, wurde es selbstverständlich, daß sein Inhalt ebenso wie der des zweiten in einer Gesamtdarstellung der ökonomischen Lehren von Marx nicht fehlen dürfe. Aber andere Arbeiten, die Agrarfrage, die theoretische Auseinandersetzung mit dem Revisionismus, die Herausgabe der Theorien vom Mehrwert usw. ließen mich damals dazu nicht kommen. Ich begnügte mich damit, in der achten Auflage von „Marx' ökonomische Lehren“ ein Kapitel über „Mehrwert und Profit“ einzufügen, in dem ich das Gesetz der Durchschnittsprofitrate zur Darstellung brachte.

Das schien mir damals zur Not zu genügen. Heute aber bedürfen die Ausführungen meiner Marx-Popularisierung einer Ergänzung. Heute müssen auch der zweite und dritte Band popularisiert werden. Das hat Karl Renner sehr wohl begriffen und, um diesem Bedürfnis zu genügen, jüngst eine gekürzte Darstellung des wesentlichen In­halts dieser Bände mit praktischen Nutzanwendungen veröffentlicht. („Die Wirtschaft als Gesamtprozeß und die Sozialisierung.”)

Heute ist es auch notwendig geworden, einer Elite von Arbeiter­lesern das Studium des zweiten und dritten Bandes selbst durch eine Volksausgabe zu erleichtern.

Das erfordert die gewandelte historische Situation.

Der erste Band des „Kapital“ liegt dem Arbeiter wohl unter allen Umständen viel näher als die folgenden. Nach der Ueberwindung der Schwierigkeiten der Wert- und der Geldtheorie betritt der Leser ein Gebiet, auf dem der Arbeiter mehr zu Hause ist und in dem er sich leichter zurechtfindet als der Intellektuelle: das Gebiet des Produk­tionsprozesses, der Werkstatt, der Fabrik, des Bergwerks.

Ganz anders der zweite und dritte Band. Deren Gebiet ist haupt­sächlich der Markt, der Warenmarkt und Geldmarkt. Darum hat sich der Arbeiter bisher wenig gekümmert. Die Praxis des Alltags führte ihn nicht dorthin. Aber auch eine weiterschauende politische Praxis setzte ihm dort bis vor kurzem nur wenige Aufgaben.

Was das Proletariat zuerst braucht, ist das Klassenbewußtsein. Der Klassenkampf wird ihm durch die ökonomischen Verhältnisse von selbst aufgedrängt. Aber will es in diesem Kampf Erfolge erzielen und ihn zu einem siegreichen Abschluß führen, bedarf es der Einsicht in die Natur der Verhältnisse, die den Klassenkampf hervorrufen, einer Einsicht, die ihm von der bürgerlichen Wissenschaft nicht ge­boten werden kann. Diese betrachtet das ökonomische Treiben von einem dem seinen entgegengesetzten Standpunkte aus, was sich unter anderm darin äußert, daß sie die bestehenden ökonomischen Verhältnisse als unabänderliche Naturverhältnisse ansieht, alles das in den Vordergrund stellt, was sie mit jeder Art des Wirtschaftens gemein haben, und möglichst wenig von dem sieht, was ihre besondere Eigenart ausmacht; sowie darin, daß sie bei der Erklärung des Wirt­schaftswesens nicht von den Vorgängen der Produktion ausgeht, son­dern von denen des Marktes. Die eine wie die andere Betrachtungsweise der bürgerlichen Oekonomie findet ihren tiefsten Ausdruck darin, daß sie heute die grundlegende Erscheinung jeder Tauschwirtschaft, den Warenwert, einmal nicht aus den besonderen gesellschaftlichen Bedingungen der Warenproduktion zu erklären sucht, sondern aus einem allen Wirtschaftsweisen gemeinsamen Verhalten des einzelnen Menschen zu den ihm nützlichen Dingen, die er in seiner Umwelt vor­findet. Dann aber zeigt sich der Unterschied zwischen bürgerlicher und proletarischer Betrachtungsweise darin, daß jene den Ursprung des Wertes nicht mehr im Bereich der Arbeit sucht, wie es noch die klassische Oekonomie tat, sondern im Bereich des Marktes, im Bereich von Nachfrage und Angebot sowie in dem der Konkurrenz.

Sollte das Proletariat in seinem Klassenkampf selbständig werden, das Maximum von Kraft in ihm entfalten, dessen es fähig ist, dann bedurfte es dazu nicht bloß eigener, selbständiger Organisationen, sondern auch einer geistigen Selbständigkeit, eines eigenen Wissens. Je umfassender der Bereich der Organisation und des Wissens der Proletarier, desto ausgeprägter ihr Klassenbewußtsein, desto größer die Aufgaben, die sie sich stellen, desto kraftvoller die Mittel, über die sie zu ihrer Lösung verfügen.

Es ist ein Unsinn, wenn man vom Marxismus behauptet, er habe den Klassenkampf erfunden und predige ihn. Der Klassenkampf ist eine Tatsache, die der Theoretiker bloß konstatieren und erklären, nicht aber hervorrufen kann. Wohl aber sind die Marxschen Theorien das wirksamste Mittel gewesen, das Klassenbewußtsein des Prole­tariats zu einer gewaltigen Höhe zu erheben und damit seinem Klassenkampf siegreiche Wucht zu verleihen.

Namentlich geschah dies durch den ersten Band des „Kapital“, der dadurch welthistorische Bedeutung erlangte. Die dort ent­wickelten Theorien der Produktion des Mehrwerts bieten die tiefste Einsicht in das Wesen und die historischen Tendenzen des Gegen­satzes zwischen Kapital und Arbeit.

Seit dem Weltkrieg und nicht am wenigsten durch ihn sind wir in ein neues Stadium des proletarischen Klassenkampfes gelangt, dem wir bereits vorher in manchem Staate, namentlich in Deutschland, rasch entgegeneilten, dessen Kommen aber durch den Krieg und die aus ihm hervorgehenden Notstände bedeutend beschleunigt wurde.

Heute handelt es sich für den proletarischen Klassenkampf nicht mehr in erster Linie darum, daß in den proletarischen Massen Klassenbewußtsein verbreitet wird. Diese Aufgabe ist im wesent­lichen vollzogen. Allerdings nirgends in ausreichendem Maße. Viel­fach finden wir bloß einen Klasseninstinkt, der aber in dieselbe Richtung weist wie das Klassenbewußtsein und die Führung und Aufklärung durch klassenbewußte Elemente gern annimmt.

So viel auch in bezug auf die Aufklärung der Massen über ihre Klassenlage und deren Bedingungen zu tun bleibt, diese Aufgabe ist nicht mehr die einzige und auch nicht die wichtigste, die wir zu lösen haben. Eine zweite ersteht uns, und von Tag zu Tag wird sie mächtiger und gewaltiger. Die Gewinnung der politischen Macht durch das Proletariat ist nicht mehr eine Sache ferner Zukunft. Im Laufe des letzten Jahrzehnts hat das Proletariat in den hochindustriellen Staaten Europas so sehr an Kraft und Einfluß gewonnen, daß nicht mehr bloß die Enthusiasten, sondern auch sehr nüchterne Politiker mit der Wahrscheinlichkeit rechnen, binnen wenigen Jahren in manchem Staate sozialistische Mehrheiten auftreten und rein sozia­listische Regierungen ans Ruder kommen zu sehen, die imstande sind, den Staatsapparat in den Dienst entschieden sozialistischer Maßnahmen zu stellen.

Eine Fortentwicklung der Gesellschaft in sozialistischem Sinne würde aber nur unzureichende Resultate ergeben, wenn sie sich bloß auf den Produktionsprozeß beschränken würde. Sie muß den ge­samten wirtschaftlichen Prozeß in Angriff nehmen, auf die Vorgänge der Zirkulation ebenso regelnd einwirken wie auf die der Produktion.

Wie wenig für das Proletariat gewonnen ist, wenn es bloß die Produktion beherrscht, hat sich in Italien im Jahre 1920 gezeigt, als sich dort revolutionäre Arbeiter großer Werke bemächtigten, ohne Widerstand zu finden. Sie vermochten eine Zeitlang die Produktion weiterzuführen, doch verstanden sie es nicht, die Zirkulation im Gang zu halten: die Zufuhr von Rohmaterialien und Hilfsstoffen, den Absatz der fertiggestellten Produkte. So kam bald auch der Produk­tionsprozeß ins Stocken, den Arbeitern gingen die Mittel aus, es blieb ihnen nichts übrig, als sich wieder unter das alte Joch zu fügen, das ihnen nun als Rettung erscheinen mußte.

Die Arbeiterschaft hatte damit die schwerste aller Niederlagen erlitten, nicht durch Niederwerfung im Kampfe, die unter Um­ständen moralisch erhebend wirken kann, sondern durch kampfloses Zusammenbrechen der eigenen Maßnahmen infolge ihrer völligen Unzulänglichkeit.

Aehnlich litt auch das bolschewistische Experiment der Ueber­nahme der Fabriken durch die Arbeiter in seinen Anfängen am meisten an der völligen Vernachlässigung des Zirkulationsprozesses. Er bildet heute noch eine der schwächsten Stellen der Sowjet­wirtschaft.

Soll das Proletariat imstande sein, die wirtschaftlichen Vor­gänge und Verhältnisse seinen Interessen entsprechend zu formen, dann muß es imstande sein, auf allen wirtschaftlichen Gebieten den Kapitalisten durch proletarische Institutionen zu ersetzen. Es bleibt vom Kapital abhängig und wird ihm immer wieder untertan, trotz zeitweiliger Abschüttlungsversuche, solange nicht die Funktion des Kapitalisten im Zirkulationsprozeß ebenso wie im eigentlichen Produktionsprozeß mit Vorteil durch gesellschaftliche Einrichtungen ersetzbar ist.

Auf das dringendste ist es also geboten, daß das Proletariat jetzt schon diesem Prozeß nicht minder seine Aufmerksamkeit schenkt als dem Produktionsprozeß. Gerade weil jener seiner alltäglichen Praxis ferner liegt als dieser, muß es ihn um so mehr studieren, muß dahin getrachtet werden, daß mindestens alle diejenigen seiner Vor­kämpfer, die berufen zu sein scheinen, beim sozialistischen Aufbau wegweisend und praktisch ausführend voranzugehen, mit dem Zirkulationsprozeß des Kapitals wohl vertraut sind. Es wird sich ja nicht darum handeln, eine völlig neue Wirtschaftsordnung aus dem Nichts aufzubauen, sondern die bestehende Ordnung in der Richtung des Sozialismus weiterzuentwickeln, was unmöglich ist, wenn man diese Ordnung nicht genau kennt. Marx war für den Sozialismus tätig, wenn er den besten Teil seines Lebens der Klarlegung des kapitalistischen Getriebes widmete.

Glücklicherweise arbeiten auch hier die Verhältnisse im Sinne des Sozialismus. Lange bevor das Proletariat die volle Staatsmacht erobert, schafft es sich eigene Organisationen nicht bloß des Kampfes, sondern auch solche wirtschaftlicher Betätigung: Genossenschaften, gemeinwirtschaftliche Unternehmungen, Arbeiterbanken. So wenig diese Einrichtungen für sich allein imstande sind, das Wesen der bestehenden Produktionsweise zu verändern, so wichtig können sie werden als Lehranstalten, in denen Vertreter des Proletariats ge­schult, mit den Funktionen der heutigen Kapitalisten vertraut gemacht und mit der Fähigkeit begabt werden, diese Funktionen, soweit sie wirtschaftlich notwendig sind, selbst zu übernehmen, nicht mehr im Dienst der Ausbeutung, sondern der Befreiung des Prole­tariats.

Auch die zunehmende Beherrschung großer Gemeinden bietet zahlreiche Gelegenheiten, die Bedingungen des kapitalistischen Zirkulationsprozesses praktisch kennenzulernen.

Besonders wichtig dafür wird aber die Wandlung des sogenannten „neuen Mittelstandes“ im Lauf des letzten Jahrzehnts.

Schon früh hat das Kapital begonnen, Arbeiter nicht bloß im Produktionsprozeß, sondern auch im Zirkulationsprozeß auszubeuten. Seine eigenen kapitalistischen Funktionen mußte es immer mehr an Beauftragte überwälzen, je umfangreicher seine Betriebe und je ausgedehnter der Markt.

Das Getriebe des Zirkulationsprozesses dehnt sich weit rascher aus als das des Produktionsprozesses. Schon vor dem Weltkrieg zeigte uns dementsprechend die Statistik, daß die Zahl der Ange­stellten in den Betrieben rascher wuchs als die der industriellen Ar­beiter. Diese Erscheinung bildete eine der Hoffnungen der Verfechter der bestehenden Gesellschaftsordnung. Denn die Angestellten, an Lebenshaltung und Bildung der Bourgeoisie nahestehend, oft aus ihren Reihen hervorgehend, mit kapitalistischen Funktionen betraut, fühlten sich lange als eine über den Arbeitern stehende privilegierte Schicht. Sie bildeten den Hauptbestandteil dessen, was man den „neuen Mittelstand“ nannte. In dessen rasch anwachsenden Scharen sah das Kapital seine beste Schutzwehr gegen das zunehmende Proletariat.

Indes schon vor dem Weltkrieg traten zahlreiche Anzeichen dafür auf, daß diese Hoffnung sich nicht erfüllen werde. Es mehrten sich die Schichten der Angestellten, die sich auf die Seite des Proletariats schlugen. Wie so manche andere soziale Tendenz erfuhr auch diese durch die revolutionierende Wirkung des Krieges einen gewaltigen Anstoß. Mit einem Ruck erkannte die große Masse der Angestellten ihre Solidarität mit dem industriellen Proletariat und strömte seinen Fahnen zu. Damit wurde die Armee des proletarischen Klassenkampfes nicht nur zahlenmäßig sehr verstärkt, sondern auch durch neue Ein­sichten bereichert. Der Gesamtbewegung werden nun Elemente einverleibt, die im Zirkulationsprozeß ebenso zu Hause sind wie die industriellen Proletarier im Produktionsprozeß. Die Fähigkeit unserer Partei, nach Eroberung der Staatsgewalt das ganze ökono­mische Getriebe zweckmäßig und erfolgreich im Interesse des Prole­tariats zu regeln, wird dadurch enorm gesteigert.

Aber alle die Einsichten, die die Einzelnen aus ihrer Praxis ge­winnen, so wichtig, ja unerläßlich sie für das Verständnis des Wirt­schaftslebens sind, sie bleiben unzureichendes Stückwerk, wenn sie nicht widerspruchslos vereinigt werden in einem Gesamtzusammen­hang, in einer Theorie, die erst jeder einzelnen Erkenntnis ihr richtiges Gewicht im Gesamtgetriebe verleiht.

Alle die praktischen Erfahrungen der Angestellten sowie der Genossenschafter usw. in bezug auf den kapitalistischen Zirku­lationsprozeß machen das Studium des zweiten und dritten Bandes des „Kapital“ in keiner Weise überflüssig. Doch machen sie dieses Studium erst recht fruchtbar; denn die Theorie bleibt für diejenigen, die sie studieren, ein toter Buchstabe, wenn ihnen die Kenntnis der Tatsachen fehlt, auf die sie aufgebaut ist. Die Zahl derjenigen, die die beiden letzten Bände des „Kapital“ mit Frucht zu studieren ver­mögen, hat sich innerhalb des letzten Jahrzehnts in unsern Reihen bedeutend vermehrt.

Gleichzeitig mit der Notwendigkeit dieses Studiums sind also auch die Vorbedingungen gewachsen, es erfolgreich zu betreiben.

Das Studium des zweiten und dritten Bandes des „Kapital“ wird jedoch von praktischer Bedeutung nicht nur im Hinblick auf den „Zukunftsstaat“, über dessen Nähe man verschiedener Meinung sein kann und der auch nicht für alle Staaten unserer Zeit gleich nahe­liegt. Aber nicht nur die Zukunft, sondern auch die Gegenwart er­heischt es, namentlich seit dem Weltkriege, daß die Politiker des Sozialismus ebenso wie seine Theoretiker über den Zirkulationsprozeß und den Gesamtprozeß des Kapitals ebensogut Bescheid wissen wie über den Produktionsprozeß.

Gewiß, die Grundlage des proletarischen Klassenkampfes ist der Klassengegensatz zwischen Kapital und Arbeit, der aus den Ver­hältnissen der Produktion hervorgeht. Aber die Lage der Arbeiter hängt nicht allein von diesen Verhältnissen ab. Im Zirkulations­prozeß treten Erscheinungen auf, die für das Wohl und Wehe der Arbeiter von größter Bedeutung sind und die an Gewicht nicht da­durch verlieren, daß hier bis zu einem gewissen Grade Arbeiter und Kapitalisten die gleichen Interessen haben.

So sind beide zum Beispiel in gleicher Weise daran interessiert, daß die Zirkulation der Waren nicht stockt; denn jede derartige Stockung bedeutet eine Krise, die von den schmerzlichsten Er­scheinungen begleitet ist. Ebenso sind beide daran interessiert, daß der ruhige, stetige Verlauf der Zirkulation der Waren nicht durch plötzliche Schwankungen in der Menge und dem Werte des Zir­kulationsmittels, des Geldes, gestört wird.

Unter solchen Zirkulationsstörungen leidet der Arbeiter nicht nur ebenso wie der Kapitalist, sondern oft in noch höherem Grade: Eine Geschäftsstockung bringt nicht nur Lohnherabsetzungen, sondern auch Arbeitslosigkeit, die furchtbarste Geißel des Arbeiters. Die rasche, durch keine Ausdehnung der Warenzirkulation herbeigeführte Ausgabe von Papiergeld, die „Inflation“, bewirkt, daß die Preise der Waren sprunghaft steigen, während die Löhne ihnen nur langsam folgen usw.

Die Arbeiter sind also an einer vernünftigen Wirtschaftspolitik in bezug auf die Zirkulation ebenso interessiert wie in bezug auf die Produktion. Aber da der Schwerpunkt des Klassengegensatzes auf dem Gebiete der Produktion liegt, auf dem der Zirkulation vielfach — keineswegs allgemein — eine gewisse Harmonie zwischen den proletarischen und den kapitalistischen Interessen besteht, waren bis zum Weltkriege für das Proletariat die Antriebe gering, sich um den Zirkulationsprozeß eingehender zu kümmern. Man meinte, auf diesem Gebiete sehe die Kapitalistenklasse schon selbst nach dem Rechten.

In der Tat sorgte diese selbst für eine gesunde Währung.

Die Krisen freilich vermochte sie nicht zu beseitigen, wenigstens nicht die großen Weltkrisen, die seit 1815 bis 1866 immer wieder ungefähr alle zehn Jahre auftraten. Später traten sie in weniger regelmäßigen Zeitabschnitten auf. Aber sie hörten nicht auf. Und wir Sozialisten sagten selbst, daß diese Krisen unvermeidlich seien, solange kapitalistisch produziert werde. Dagegen waren es gerade die Kapitalisten, die hofften, die Krisen immer mehr mildern zu können durch Unternehmerverbände, die die Produktion organisierten und jeder Ueberproduktion entgegenwirkten.

So standen die Dinge bis zum Weltkriege. Er hat die Verhält­nisse auch auf den hier in Rede stehenden Gebieten gründlich um­gewälzt.

Vor dem Kriege war in ganz Europa, schließlich selbst in Ruß­land und Oesterreich eine gesunde Währung geschaffen und der letzte Rest der aus den Zeiten des Absolutismus stammenden Geldfäl­schungen, deren modernste Form die willkürliche Ausgabe von Papiergeld ist, beseitigt worden.

Der Weltkrieg erzeugte bei allen Regierungen, die an ihm be­teiligt waren, wenigstens den europäischen, den starken Drang, die ungeheuren Kosten, die er verursachte, durch ungemessene Ausgabe von Papiergeld zu decken. Diese Bewegung wurde bei manchen Staaten noch nach dem Kriege fortgesetzt und bis zur Absurdität und zum völligen Zusammenbruch gesteigert. In jenen Tagen der Inflation zeigte es sich deutlich, daß das Proletariat sich heute nicht einmal mehr in der Währungspolitik auf die Kapitalistenklasse verlassen kann; zeigte es sich auch, welche hohe praktische Bedeutung eine richtige Geldtheorie bekommen kann, nicht bloß für die Händler, sondern auch für die Arbeiter.

Unter dem Eindruck dieser Situation suchte ich die Marxsche Geldtheorie zu popularisieren in einem längeren Kapitel meiner „Sozialdemokratischen Bemerkungen zur Uebergangswirtschaft“, die leider infolge der Zensurschwierigkeiten erst unmittelbar vor der Beendigung des Krieges erschienen. Ich hatte weder so offen reden können, wie notwendig, noch die so überraschenden Verhältnisse nach dem Kriege in Betracht ziehen können.

Aber nicht nur das Geldwesen, auch die Krisen haben nach dem Weltkriege ein ganz neues Gesicht bekommen. Entsprangen sie bis dahin, soweit sie allgemeiner Natur waren, rein ökonomischen Ver­hältnissen, die durch die Mittel kapitalistischer Politik wenig zu beeinflussen waren, so sind wir seitdem in ein Zeitalter tollsten Wechsels zwischen kurzatmigen Perioden der Prosperität — wirt­schaftlichen Aufschwungs — und schwerster, lähmendster Krisen ein­getreten, die zumweitaus größten Teil ein Produkt der Politik der Regierungen sind, sich also vermeiden ließen, auch bei Fortdauer der kapitalistischen Wirtschaft, wenn die Politik der Regierungen etwas weniger von militaristischen und monopolistischen Erwägungen und etwas mehr von ökonomischer Einsicht in die Bedürfnisse des Zirku­lationsprozesses bestimmt würde.

Allerdings wäre eine Periode der Krisen nach dem Kriege wohl unvermeidlich gewesen, auch bei einer vernünftigeren Politik der Regierungen. Daß eine solche Periode zu erwarten sei, konnte man voraussehen, wenn man mit den Gedankengängen des vorliegenden zweiten Bandes des „Kapital“ vertraut war.

Bei Ausbruch des Krieges trösteten sich viele über die Ver­heerungen und Opfer, die er unvermeidlicherweise mit sich bringen mußte, mit der Erwartung, ihm müsse eine Aera starker Prosperität, das heißt, starker Beschäftigung der Industrie folgen. Gerade die Vernichtung so vieler Produkte im Kriege erzeuge ein starkes Be­dürfnis nach neuen Produkten. Und die Verrnichtung so vieler Arbeitskräfte müsse jede Arbeitslosigkeit auf langhin ausschließen. Man wies hin auf die Folgen des letzten großen westeuropäischen Krieges, des deutsch-französischen von 1870/71, dem nicht nur im siegreichen Deutschland, das eine große Kriegsentschädigung ein­heimste, sondern auch im besiegten Frankreich, das fünf Milliarden Franken zu zahlen hatte, eine Aera gewaltiger industrieller Tätigkeit folgte. Wohl erwartete man eine Krise beim Ausbruch des Krieges, nicht aber nach dem Friedensschluß.

Gegen diese Auffassung wendete ich mich schon im Sommer 1916 in einer Abhandlung, betitelt: „Die ökonomische Seite des Erschöpfungskrieges“, deren Veröffentlichung der deutsche Zensor völlig ver­hinderte. Sie erschien dann, abgemildert und durch einige Zensur­striche gekürzt, im Wiener „Kampf“ (August und September). Ich wies darauf hin, daß der deutsch-französische Krieg im Verhältnis zur Ausdehnung des Weltmarktes nur lokaler Natur gewesen sei und nur kurze Zeit gedauert habe. Er traf nur zwei Nationen und die nur für ein halbes Jahr. Er hemmte nicht die Entwicklung der Produktiv­kräfte in der Welt und nicht den internationalen Verkehr, ja nicht einmal die Entwicklung der Produktivkräfte in Deutschland. Die Armeen waren viel kleiner als die im Weltkriege, legten nicht auf alle kräftigen Männer Beschlag und ihr technischer Apparat war weit geringer, er nahm nicht die ganze Industrie in Anspruch.

Gerade darin sah ich den wichtigsten Unterschied zwischen den früheren Kriegen und dem Weltkrieg. Gerade darin aber auch das bedeutendste Moment, das bewirkte, daß die Krise nicht an seinem Beginn stand, sondern an seinem Ende. Ich schrieb in dem erwähnten Artikel:

„Wir hatten fälschlich die Krise bei Kriegsausbruch erwartet, weil man nicht richtig von vornherein einschätzen konnte, wie sehr ein Krieg wie der jetzige gerade durch seine ungeheure Ausdehnung und Wucht nicht nur die Kontinuität (die unveränderte Fortführung) der Produktion unterbricht, sondern auch die ökonomischen Gesetze der Warenproduktion für seine Dauer außer Kraft setzt. Denn die enormen Ansprüche der Kriegführung beherrschen nun das ganze ökonomische Leben und sind so groß, daß die Nachfrage des Staates den entscheidenden Regulator der Produktion bildet. Nie war das in so hohem Grade der Fall wie in dem jetzigen Kriege, nie dessen krisen­bildende Macht mehr eingeschränkt, aber nur für dessen Dauer.“

Um so mehr mußte sich die Krise nach seinem Ende zeigen, wegen derDurchbrechung der Kontinuität der Produktion, die er herbeiführt.

Was das bedeutet, wird der Leser leicht begreifen, nachdem er den zweiten Band des „Kapital“ durchstudiert hat.

Es wird dort gezeigt, daß eine der wichtigsten Ursachen von Krisen, von Stockungen des Zirkulationsprozesses des Kapitals, in gelegentlichen Durchbrechungen der Proportionalität der Produktion zu finden ist.

Der Produktionsprozeß kann nicht ungestört vor sich gehen, wenn nicht alle Zweige der Produktion im richtigen Verhältnis, in der richtigen Proportion, zueinander stehen, die Produktion der Produk­tionsmittel und die der Konsumtionsmittel, die von Gebäuden und Maschinen und die der für sie bestimmten Roh- und Hilfsstoffe usw.; die Produktion der nötigen Lebensmittel für die Arbeiter und die Produktion der nötigen Arbeiter für jeden Produktionszweig usw.

Bei einfachen Verhältnissen ohne weitgehende Arbeitsteilung istdas wirtschaftliche Getriebe leicht übersichtlich und die Innehaltung der richtigen Proportionalität der Produktion nicht schwierig. Um so weniger schwierig, da in jenen einfachen Verhältnissen vielfach ein Arbeitsbetrieb fast alles für seine Arbeiter Nötige selbst erzeugt unddiese ihre Produktionsmittel selbst besitzen.

Dagegen wachsen die Schwierigkeiten der Innehaltung der Pro­portionalität der Produktion innerhalb der kapitalistischen Produk­tionsweise mit ihrer ungeheuren Arbeitsteilung, in der kaum ein Produkt alle zu seiner Herstellung nötigen Vorgänge in dem gleichen Betrieb durchläuft, die Produktion alle lokalen Schranken sprengt, der Weltmarkt für sie entscheidend wird und nicht die Deckung eines bestimmten Bedarfs, sondern das Streben nach möglichst hohem Profit die Triebfeder der Besitzer der Produktionsmittel wird, die frei über sie verfügen, an keinen gesellschaftlichen Plan gebunden sind.

Nur mühsam läßt sich unter diesen Umständen die unerläßliche Proportionalität der Produktion aufrechterhalten. Immer wieder läuft diese Proportionalität Gefahr, durchbrochen zu werden, was notwendigerweise zu einer Krise führen muß.

Angesichts des privaten Eigentums an den Produktionsmitteln und des Profits als Triebfeder kann bei kapitalistischer Produktion die Proportionalität nicht durch eine von der Gesellschaft oder dem Staat ausgehende Regelung gesichert werden. Sie wird schließlich immer wieder erreicht durch das Spiel von Nachfrage und Angebot bei freier Konkurrenz, wodurch die Preise und Profite in den Produk­tionszweigen sinken, die mehr produzieren, als der richtigen Propor­tionalität entspricht, indes in andern Zweigen, die zu wenig produ­zieren, die Preise und Profite steigen.

Das ist kein idealer Zustand, er bringt viele Opfer und Leiden mit sich. Aber diese Art, dem Produktionsprozeß immer wieder die nötige Proportionalität seiner Teile zu verschaffen, ist dort, wo nicht sozialistische Regelung der Produktion möglich ist, die einzige, das wirtschaftliche Getriebe in Gang zu halten, ohne dessen Funktio­nieren die Gesellschaft zugrunde geht.

Indessen würde auch der durch das Spiel von Nachfrage undAngebot erzeugte, immer wieder erneute Wechsel der Preise schwer die Proportionalität ohne die schwersten Krisen erhalten, wenn nicht ein zweites Moment dazukäme: die Kontinuität der Produktion. Das heißt, wenn sich nicht der Produktionsprozeß von Jahr zu Jahr ungefähr in gleichem Maße wiederholte. Dadurch wird das Verhältnis der einzelnen Produk­tionszweige zueinander trotz des anarchischen, von keiner gesell­schaftlichen Macht geregelten Charakters des Wirtschaftslebens kein zufälliges, sondern ein herkömmliches und insofern bestimmtes. Freilich nicht genau bestimmtes. Denn ununterbrochen gehen kleine Veränderungen vor sieh, seien sie natürlicher Art, zum Beispiel gute oder schlechte Ernten, oder technischer, etwa neue Erfindungen, oder ökonomischer, zum Beispiel neue Eisenbahnbauten, die neue Märkte erschließen usw., die immer wieder Verschiebungen im Verhältnis der einzelnen Produktionszweige zueinander bedingen, wobei der Haupt­regulator das Schwanken der Preise ist.

Immerhin sind diese Schwankungen von Jahr zu Jahr keine erheblichen, im großen und ganzen bleibt doch die Kontinuität der Produktion gewahrt. Sonst hätten die periodischen Krisen schon längst Dimensionen erreicht, die den Produktionsprozeß unter dem Kapitalismus zeitweise zu völligem Stillstand bringen müßten, ehe. noch das Proletariat die Kraft und die Fähigkeit erlangt hätte, die Regelung des wirtschaftlichen Getriebes selbst in die Hand zu nehmen.

Von diesen ökonomischen Erwägungen ausgehend, die auf Gedankengängen des vorliegenden Bandes des „Kapital“ beruhen, kam ich zu meiner Erwartung der wahrscheinlichen Folgen des Weltkrieges:

„Ein Krieg von der Ausdehnung des jetzigen bringt eine gewaltsame und hochgradige Durchbrechung der Kontinuität des Produktionsprozesses mit sich, sowohl durch die weitgehende Umschaltung der Produktionszweige wie durch die Unterbrechung des Verkehrs“.

Daraus mußte eine Krisensituation entstehen, die durch die Kriegswirtschaft nur vorübergehend verhindert werden konnte. Darüber schrieb ich 1916:

„Für immer kann der Krieg die ökonomischen Gesetze der Waren­produktion nicht außer Kraft setzen — es sei denn, er brächte ihre Aufhebung und Ersetzung durch sozialistische Produktion mit sich. Nach dem Kriege werden sie wieder volle Geltung erlangen, und damit wird der krisenbildende Charakter der Durchbrechung der Kontinuität des Produktionsprozesses in Wirkung treten, und zwar mit um so größerer Gewalt, je länger der Krieg und damit die Durchbrechung der Kontinuität dauert.

Hier wie auch sonst äußert sich die während des Krieges erfolgte Auf­hebung des Wirkens der ökonomischen Gesetze durch die Bedeutung des ökonomischen Eingreifens der Staatsgewalt darin, daß ökonomische Bela­stung und ökonomisches Unheil nicht verhindert, sondern in spätere Zeit zurückgeschoben und dadurch vergrößert, aber freilich für den Moment weniger fühlbar werden. Diese gefährliche Methode, die von einigen sonder­baren Schwärmern gleichzeitig als Kriegssozialismus und als Beweis der Kraft des Kapitalismus gepriesen wird, hat verteufelt Aehnlichkeit mit jener Methode, die von dem Gedanken getragen wurde: Nach uns die Sintflut!

Die Durchbrechung der Kontinuität der Produktion, die durch die Ein­stellung oder Verminderung des Verkehrs sowie durch die Eingriffe des Staates und seines Kriegsbedarfs hervorgerufen wird, muß mit jedem Jahr, mit jedem Monat des Krieges stärker anwachsen. An seinem Schluß werden alle Produktionszweige vor völlig neuen, unberechenbaren Verhältnissen stehen. Aller Halt ist ihnen genommen, den sie im Herkommen fanden. Das Verhältnis eines jeden von ihnen zu den andern Produktionszweigen muß ganz neu geregelt werden, wobei jeder im Dunkeln tappt. Das Eingreifen der Staatsmacht wird sich da nicht umgehen lassen, es wird unerläßlich werden auch nach dem Kriege. Aber bei alledem werden jetzt entscheidend die Preise werden, deren Schwankungen auf dem Weltmarkt keine Regierung dirigieren kann.

Je größer die Durchbrechung der Kontinuität der Produktion, je länger sie dauert, um so wilder die Sprünge der Preise nach dem Kriege, um so ver­heerender die Krisen, um so rascher ihre Aufeinanderfolge.

Nicht alle Staaten werden diese Krisen mit gleicher Intensität zu spüren bekommen. Sie werden am furchtbarsten dort wüten, wo die Kontinuität der Produktion am meisten unterbrochen war, wo der Verkehr mit dem Ausland am meisten stockte, die Industrie am meisten dem Kriegszweck dienstbar gemacht wurde …

So besteht die Gefahr, daß der furchtbare Aderlaß, den der Krieg hervor­ruft, durch den Frieden nicht gestillt wird, sondern weiter geht und manchen Staat Europas industriellem Verkommen entgegenführt. Diese Gefahr kann nur gebannt werden, wenn die Arbeiterschaft die Anschauungen aufs ener­gischste geltend macht, die sie bis zum Kriege vertrat, und wenn es ihr gelingt, diesen Anschauungen zum Durchbruch zu verhelfen. Je mehr Sozialismus, desto gesicherter die Rettung des Vaterlandes.“

Deutlicher in der Presse zu sprechen, war 1916 nicht möglich.

Wie es damals vorausgesehen wurde, ist es wirklich gekommen. Was ich aber nicht voraussah, war, daß die Zeit der Preissprünge und Krisen im Frieden noch so lange dauern würde. Das rührt daher, daß die Friedenspolitik der herrschenden Klassen in fast allen Staaten nicht von ökonomischer und schon gar nicht von marxistischer Er­kenntnis geleitet war, sondern von einem durch den Krieg groß­gezogenen Kultus der brutalen Gewalt, von der man wähnte, man könnte sich, wenn man über sie verfüge, über alle ökonomischen Gesetze hinwegsetzen; einer Gewalt, deren Träger noch verblendet wurden durch Haß, Furcht, Mißtrauen, die der Krieg zur Sinnlosig­keit gesteigert hatte.

So hat die Politik seit dem Friedensschluß sich nicht nur nicht bemüht, die Proportionalität der Produktion wieder herzu­stellen, die der Krieg durchbrochen hatte, sondern sie hat vielmehr in verhängnisvollster Weise dahin gewirkt, die Aera der Krisen, die dem Kriege aus ökonomischen Gründen notwendigerweise folgen mußte, nicht zu mildern und zu verkürzen, sondern zu verschärfen und zu verlängern.

Der Krieg hatte durch das entsetzliche Elend, das er hervorrief, die Klassengegensätze aufs höchste gesteigert, am meisten in den Ländern der Besiegten, wo noch gegenseitige Vorwürfe wegen der Schuld am Ausbruch des Krieges und an der Niederlage hinzukamen. Das ungeheuer geschwächte ökonomische Getriebe konnte tiefgehende Erschütterungen schwer ertragen. Die mildeste Form der Aus­tragung der Klassengegensätze wäre im damaligen Zustande die ökonomisch heilsamste gewesen. Sie war am ehesten erreichbar unter den Formen der Demokratie. Der Zusammenbruch im Kriege führte vielfach zur Demokratie.

Aber der Kultus der brutalen Gewalt, den der Krieg erzeugt hatte, drängte anderseits oft zur Ersetzung der Demokratie durch eine Diktatur, deren naturnotwendiges Ergebnis der Bürgerkrieg war, der die ökonomische Verwirrung aufs höchste steigerte.

Aber auch wo es nicht zum Bürgerkrieg kam, wirkte die Politik nach dem Kriege verderblich.

Die wichtigste ökonomische Aufgabe der Staatsgewalt in jedem Lande nach Beendigung der Kriegshandlung bestand darin, ihren Einfluß im Produktionsprozeß dazu auszunutzen, daß die Umstellung der Produktion von der Kriegsarbeit auf Friedensarbeit in einer Weise erfolgte, die die erforderliche Proportionalität der verschiedenen Produktionskreise wieder herstellte. Soweit der Einfluß des Staates bei den ökonomischen Verhältnissen dazu nicht ausreichte, mußte die möglichste Freisetzung des Wirkens von Angebot und Nachfrage im Zirkulationsprozeß angestrebt werden.

Das gerade Gegenteil geschah.

Inmitten einer hochkapitalistischen Gesellschaft mit weit ent­wickeltem Geldverkehr diktierte der Friedensvertrag hohe Kriegs­entschädigungen, die sich hinter dem Namen von Reparationen ver­bargen. Sie waren nicht bloß, wie 1871 im Frankfurter Frieden, in Geld, sondern auch in Naturalien zu entrichten, deren Ausmaß weder durch das Spiel von Angebot und Nachfrage noch durch ein überlegtes Streben nach planmäßiger Wiederherstellung der Propor­tionalität der Produktion bestimmt wurde. Sie haben vielmehr dieser Wiederherstellung oft direkt entgegengewirkt, Kohle zum Bei­spiel Orten entzogen, wo sie notwendig gebraucht wurde, und Ge­genden zugeführt, die sie nicht in vollem Ausmaß verwenden konnten. Aus südfranzösischen Häfen wurde deutsche Reparationskohle, die von Deutschland an Frankreich abgeliefert worden, nach deutschen Häfen ausgeführt. Sie fand in Frankreich keine Verwendung, indes englische Kohlengruben feierten wegen mangelnden Absatzes. Ehedem fanden sie lohnende Beschäftigung durch die Ausfuhr nach deutschen und französischen Häfen.

Aber auch der ungeheure Betrag der Deutschland auferlegten Geldzahlungen zwang es, Warenmassen auf den Weltmarkt zu werfen in höherem Maße, als es unter normalen Umständen der Fall gewesen wäre. Auch das hat der Wiederherstellung der Propor­tionalität entgegengewirkt.

Zu diesen krisenbildenden Momenten gesellte sich eine Reihe von Jahren hindurch die Fortsetzung der Inflation, die im Krieg schon begonnen hatte und in der Not der Nachkriegszeit in manchem Staat bis zur Besinnungslosigkeit weitergeführt wurde, nicht nur wegen der Unwilligkeit oder Unmöglichkeit, der Bevölkerung hohe Steuern aufzuerlegen. Für viele Kapitalisten schien die Inflation paradie­sische Zustände zu bringen. Die stete Zunahme des Papiergeldes bewirkte ein ununterbrochenes Steigen aller Preise, die Löhne hinkten in der Regel langsam hinterdrein; so bedeutete die Inflation eine ständige Lohnsenkung.

Aber auch, wo dies nicht der Fall war, wo die Arbeiter es ver­standen, eine stete Anpassung der Löhne an die Preise ihrer Lebens­mittel durchzusetzen, erschien das Regime der Inflation für viele als vorteilhaft. Niemand häufte Geld an, das ja morgen nur noch die Hälfte dessen wert war, was es gestern gewesen. Jeder suchte alles Geld, das er eben eingenommen und nicht sofort für notwendige Zwecke verausgaben mußte, in „Sachwerten“ irgendwelcher Art anzulegen, die er nicht brauchte, die aber dem Geld gegenüber den Vorteil der Wertbeständigkeit hatten. Alles Produkt, das auf den Markt kam, wurde daher sofort gekauft, um bei gestiegenen Preisen weiter verkauft zu werden. Immer weitere Kreise der Bevölkerung spekulierten, und zwar alle in gleicher Richtung, auf weiteres Steigen der Preise, und jede Spekulation glückte. Die Industrie war gut beschäftigt, eine Aera dauernder Prosperität schien gekommen.

Aber dieser Zustand schaltete gerade das Moment aus, das in der anarchischen Warenproduktion die Herstellung der Proportionalität der Produktion bewirkt: den Wechsel im Steigen und Sinken der Preise, der durch die Veränderung im Verhältnis von Nachfrage und Angebot herbeigeführt wird. Die Inflation hemmte die Herbeiführung der richtigen Proportionalität, ja sie hatte die Tendenz, diese Propor­tionalität noch weiter zu verringern. Je länger die Inflation dauerte, je rascher sie wuchs, um so schlimmer mußte sieh die Unpropor­tionalität gestalten, um so verheerender die Krise werden, sobald die Inflation ein Ende nahm, die allein es erlaubte, daß die Produktion, wenn auch immer mühseliger, namentlich wegen mangelnder Zufuhr von Rohstoff aus dem Auslande, noch weiter ging. Jede Inflation, wenn nicht Vernunft sie schon früher hemmt, muß ein Ende nehmen, sobald das Papiergeld jegliche Kaufkraft verliert. Mit dem Einstellen der Inflation ist aber die Krise da, die anscheinend eine Folge der Stabilisierung, der Festigung der Währung, ist, in Wirklichkeit aber die unvermeidliche Folge der Inflation bildet.

Dazu gesellte sich nach dem Kriege noch eine hochgradige Ab­schließung der Staaten voneinander, eine weitgehende Einschnürung des Verkehrs zwischen ihnen.

Schon in den letzten Jahrzehnten vor dem Kriege hatten sich schutzzöllnerische Tendenzen stark bemerkbar gemacht, aber doch nicht in einem Maße, daß sie den internationalen Verkehr fühlbar hemmten. Und sie herrschten fast nur in Großstaaten mit einem ausgedehnten inneren Markt. Die Kleinstaaten betrieben eine frei­händlerische Politik.

Seit dem Friedensschluß haben sich zu den Schutzzöllen nicht nur andere sehr störende Hemmungen des internationalen Verkehrs gesellt. Diese Politik ist auch nicht mehr bloß auf die Großstaaten beschränkt. Und zu den früheren Kleinstaaten hat der Friedens­schluß durch die Zertrümmerung Oesterreichs und die Verkleinerung Deutschlands und Rußlands eine Reihe neuer hinzugesellt. Ihre Herstellung bedeutet einen Fortschritt im Sinne der Demokratie, soweit die Bestimmung ihrer Grenzen damit vereinbar war, was keineswegs allgemein zutraf. Aber der Friedensvertrag ließ nicht nur die Selbstbestimmung der Nationen bei der Ziehung der Grenzen der neuen Staaten oft in hohem Maße außer acht, er traf auch nicht die mindeste Sorge für die Freiheit des Verkehrs zwischen ihnen.

Indem die Zahl der Staatsgrenzen in Europa ungemein vermehrt wurde, hat so der Frieden auch die Hindernisse des Verkehrs auf unserm Erdteil enorm vergrößert; denn die meisten der Kleinstaaten schwelgen heute nicht minder als die Großstaaten im Erfinden von Mitteln, den Außenhandel zu erschweren.

Damit wird wieder ein Mittel geschaffen, der Herstellung der Proportionalität der Produktionszweige auf dem Weltmarkt entgegen­zuwirken und damit Krisenursachen zu erzeugen, bloß aus fehler­hafter Politik.

Mancher meint, die Unternehmerverbände, Kartelle und Trusts, die durch den Schutzzoll so sehr begünstigt werden, seien ein sou­veränes Mittel, Krisen zu verhüten. Nichts weniger als das. Schon der Augenschein bezeugt das Gegenteil. Nie waren die Unternehmer­verbände umfassender und zahlreicher als seit dem Kriege. Die Kriegswirtschaft selbst hat sie sehr gefördert, trotzdem folgt gerade seitdem eine Krise der andern.

Die Unternehmerverbände sind wohl in der Lage, manchen Krisen entgegenzuwirken: solchen, die allgemeiner Ueberproduktion entspringen. Aber jeder dieser Verbände bezieht sich nur auf eine einzelne Industrie, sucht nur sie allein zu organisieren, und nicht zum Zwecke der Befriedigung der Bedürfnisse der Gesellschaft, sondern der Erhöhung des Profits in dem betreffenden Produktionszweig. Extraprofite über den Durchschnittsprofit hinaus vermag er aber nur zu erzielen auf dem Wege der Durchbrechung der Proportionalität der Produktion. Allerdings auf dem Wege nicht der Ueberproduktion, sondern der Unterproduktion in seinem Produktionszweig. Er schaltet die freie Konkurrenz aus, damit in seinem Produktionszweig weniger produziert werde, als der Proportionalität entspricht, und er dadurch höhere Preise und Profite als die normalen der freien Kon­kurrenz erzielt. Ein Eisenkartell zum Beispiel „regelt“ die Produktion durch eine Einschränkung der Eisenproduktion und eine weitgehende Steigerung der Eisenpreise, die den Aufschwung der eisenverar­beitenden Industrien hemmt und ihren Absatz erschwert.

Mit einem Wort, die durch die Schutzzölle geförderte Kartell­wirtschaft ist nicht ein Mittel, dem Schutzzoll entspringender Hem­mung der Proportionalität der Produktion entgegenzuwirken, sondern vielmehr ein Mittel, deren krisenbildenden Wirkungen noch zu ver­mehren.

Zu allen diesen Erschwerungen des Verkehrs der Waren  gesellen sich noch hochgradige Erschwerungen des Verkehrs der Menschen. Neben freier Konkurrenz und freiem Handel ist auch die Freizügigkeit der Arbeiter wichtig zur Herstellung der Propor­tionalität der Produktion auf dem Weltmarkt und zur Milderung und Ueberwindung der Krisen, die aus ihrer Verletzung entspringen.

Wo sozialistische Produktion nicht möglich ist, bieten freier Verkehr und freier Handel — wenn allseitig durchgeführt — die besten Bedingungen zur Entfaltung der Produktivkräfte wie der Kräfte des Proletariats. Die Freizügigkeit des Arbeiters aber ist notwendig nicht nur unter kapitalistischer, sondern auch unter sozialistischer Produktion. Auf ihr vor allem müssen wir bestehen.

Bis zum Kriege fand sie fast gar keine Schranken, wenigstens in den zivilisierten Teilen Europas. Seit dem Kriege aber ist sie noch mehr eingeschränkt als der Warenhandel. Waren zu exportieren ist schwierig, doch nicht unmöglich gemacht. Dagegen ist die Auswan­derung größerer Arbeitermengen gerade nach den wichtigsten Industriestaaten so gut wie unmöglich gemacht worden.

Auf manchen Gebieten sind Hunderttausende, ja Millionen von Arbeitskräften dem äußersten Elend preisgegeben und auf andern stockt der industrielle Aufschwung wegen Mangels an Arbeitern. Das ist ein entsetzlicher Zustand für die Arbeitslosen, es erschwert aber auch ungemein die ökonomische Gesundung durch Herstellung der Proportionalität der Produktion.

In früheren Jahrzehnten priesen die bürgerlichen Sozialreformer die Auswanderung als Mittel an, „die soziale Frage zu lösen“, das heißt, die Arbeiter mit der bestehenden Produktionsweise zu ver­söhnen. Das hat sich als Illusion erwiesen. Damit soll jedoch nicht gesagt sein, daß sie für die Arbeiterschaft und die Gesellschaft über­haupt bedeutungslos sei Sie gehört zu den Mitteln der Herstellung der Proportionalität der Produktion und damit zur Milderung und Ueberwindung der Krisen unter kapitalistischen Bedingungen.

Die Friedenspolitik der herrschenden Klassen, die die Auswan­derung unterbindet, gehört zu den Sinnlosigkeiten, durch die sie dank ihrer ökonomischen Unwissenheit und ihrem Kultus der brutalen Gewalt immer wieder neue Krisen erzeugen und bestehende vertiefen und verlängern, statt ihnen entgegenzuwirken.

Endlich bildet ein wichtiges Moment für die Herstellung der Proportionalität in der Produktion die Freizügigkeit des Kredits, die ungehemmte Abwanderung von Kapitalien aus Geschäftszweigen und Gebieten, die Ueberfluß daran haben, in solche, die an Kapital Mangel leiden. Auch auf diesem Gebiete hat die Politik der Nach­kriegszeit unheilvoll gewirkt. Die erste Bedingung der Kredit­gewährung ist volles Vertrauen in den guten Willen und die ökono­mischen Fähigkeiten des Kreditnehmers. Das war doppelt notwendig nach dem Kriege, durch dessen Verwüstungen bei fast allen Krieg- führenden, außer Amerika, großer Kapitalmangel herbeigeführt wurde. Um so vorsichtiger und härter in ihren Bedingungen konnten die Kapitalisten jener Länder sein, die überschüssiges Kapital abzu­geben hatten.

Aber die Politik der meisten europäischen Kriegsteilnehmer, Sieger wie Besiegte, schuf Verhältnisse, die das größte Mißtrauen einflößen mußten. Das gilt nicht bloß von Sowjetrußland, dessen Beherrscher glaubten, des Kapitalismus nicht mehr zu bedürfen, sondern auch von den kapitalistischen Nationen.

Alles das bewirkt, daß heute, acht Jahre nach dem Kriege, Europa ärger von Krisen heimgesucht wird als je und daß ihr Ende nicht abzusehen ist. Mit den materiellen Zerstörungen, die der Krieg angerichtet hat, haben sie nichts zu tun. Diese Zerstörungen sind fast alle wieder gutgemacht. Aber die Proportionalität der Produktion, die durch den Krieg durchbrochen worden, ist auch heute noch nicht hergestellt.

Am meisten leidet darunter das Proletariat. Und es zeigt sich immer deutlicher, daß es heute nicht nur auf dem Gebiete der Pro­duktion, sondern auch auf dem der Zirkulation der Waren und der Kapitalien die Sorge für das ökonomische Getriebe den Kapitalisten nicht überlassen darf.

Wohl haben auf dem Gebiete der Zirkulation die Arbeiter viel­fach die gleichen Interessen wie die Kapitalisten, insofern als beide in gleichem Maße an dem ungestörten Ablauf des Zirkulations­prozesses interessiert sind.

Aber schon vor dem Kriege hatten die aufkommenden Unter­nehmerverbände versucht, für besondere Produktionszweige Extra­profite durch Vergewaltigung der Gesetze der Zirkulation heraus­zuschlagen. Der Weltkrieg hat das Bedürfnis und die Machtmittel der Herren der großen kapitalistischen Monopole nach Vergewaltigung der ökonomischen Gesetze des kapitalistischen Getriebes noch ge­steigert.

Diese Gesetze werden nicht nur von Militaristen und Gewalt­politikern, sondern auch von den großen Finanzmagnaten immer mehr mit Füßen getreten, und der Widerstand innerhalb der Kapita­listenklasse dagegen wird immer schwächer.

Es wird immer mehr Aufgabe des Proletariats, für die Beachtung dieser Gesetze einzutreten, deren Verletzung die ganze Gesellschaft aufs tiefste schädigt und nur einigen hervorragenden kapitalistischen Machthabern und ihrem Anhang von Söldnern und Parasiten Gewinn bringt.

So gerät das Proletariat immer mehr in die sonderbare Situation, daß zu seinen Aufgaben nicht bloß die Ueberwindung der kapitali­stischen Produktionsweise und ihre Ersetzung durch die sozialistische gehört, sondern auch die Verteidigung der Gesetze dieser Produk­tionsweise gegen ihre Vergewaltigung durch die Monopolisten des Großkapitals, die verbündet sind mit Großagrariern, Generalen, Bureaukraten, Professoren usw.

Um in dieser eigenartigen Situation seinen historischen Aufgaben genügen zu können, muß das Proletariat, müssen vor allem seine Wortführer sich mit dem kapitalistischen Zirkulationsprozeß ebenso vertraut machen wie mit dem Produktionsprozeß. Nicht nur wegen der sozialistischen Zukunft, der wir entgegengehen, sondern auch wegen der kapitalistischen Gegenwart, in der wir drin stehen.

Das Studium des zweiten und dritten Bandes des „Kapital“ ist daher nicht mehr eine rein akademische Aufgabe, die nur reinem Wissensdrang dient. Sie hat direkt praktische Bedeutung gewonnen. Wäre die Politik der letzten Jahre in den maßgebenden Staaten von der Erkenntnis der Gesetze des Kapitalismus geleitet gewesen, die in den drei Bänden des „Kapital“ niedergelegt ist, wie viele Leiden wären der Menschheit erspart worden, selbst bei vollständigem Weiterfunktionieren des Kapitalismus!

Wohl ist es ein halbes Jahrhundert her, daß diese Bände abge­faßt wurden. Aber dennoch bieten sie auch heute noch die tiefste Einsicht in die ökonomischen Gesetze der bestehenden Produktions­weise. Die weitere Entwicklung des letzten halben Jahrhunderts hat von nichtmarxistischer Seite nichts hinzugefügt — abgesehen von Detailforschungen — als steigende Mißachtung dieser Gesetze in der Theorie und zunehmende Vergewaltigung in der Praxis.

Mehr als je muß jeder, der den Kapitalismus begreifen, sich in ihm zurechtfinden und behaupten und schließlich ihn meistern will, auf das Marxsche „Kapital“ zurückgehen, und weniger als je genügt dabei heute der erste Band.

So ist zu wünschen, daß die Volksausgabe des zweiten und dritten Bandes ein Mittel wird, den Gedankengängen, die sie in so reicher Fülle bergen, den Zugang zu zahlreichen denkenden Köpfen des arbeitenden Volkes zu bahnen, und daß sie dabei gleichzeitig auch die zuverlässigste Ausgabe für den Gebrauch des Forschers ist.

Wien, Oktober 1926
Karl Kautsky

Ähnliches: 

„‚Das Kapital‘ wird auf dem Kontinent oft ‚die Bibel der Arbeiterklasse‘ genannt.“

Die Veröffentlichung einer englischen Ausgabe des „Kapital“ bedarf keiner Rechtfertigung. Im Gegenteil, es kann eine Erklärung darüber erwartet werden, warum diese englische Ausgabe bis jetzt verzögert worden ist, wenn man sieht, daß seit einigen Jahren die in diesem Buch vertretenen Theorien in der periodischen Presse und Tagesliteratur sowohl Englands wie Amerikas ständig erwähnt, angegriffen und verteidigt, erklärt und mißdeutet wurden.

„Die vierte Auflage forderte von mir eine möglichst endgültige Feststellung des Textes.“

Die vierte Auflage forderte von mir eine möglichst endgültige Feststellung des Textes sowohl wie der Anmerkungen. Wie ich dieser Anforderung nachgekommen, darüber kurz folgendes.

"Bleibe ich gesund, dann kann der Druck noch diesen Herbst beginnen"

Die vorliegende zweite Auflage ist der Hauptsache nach ein wortgetreuer Abdruck der ersten. Die Druckfehler sind verbessert, einige stilistische Nachlässigkeiten beseitigt, einige kurze, nur Wiederholungen enthaltende Absätze gestrichen worden.

„…auf mich fiel nun die Pflicht, die Herausgabe sowohl dieser dritten Auflage wie des handschriftlich hinterlassenen zweiten Bandes zu besorgen.“

Es war Marx nicht vergönnt, diese dritte Auflage selbst druckfertig zu machen. Der gewaltige Denker, vor dessen Größe sich jetzt auch die Gegner neigen, starb am 14. März 1883.