marx200

Hohe Stirn, wilder Bart: Was ist marx200?

Was ist marx200?

In den Jahren 2017 und 2018 gibt es gleich mehrere Jubiläen, deren Bedeutung für die Kritik an der kapitalistischen Gesellschaft kaum zu unterschätzen ist: „150 Jahre Das Kapital“ im Herbst 2017, „170 Jahre Das kommunistische Manifest" im Februar 2018 sowie der 200. Geburtstag von Karl Marx im Mai 2018. Auch die Revolutionen vom Februar und Oktober 1917 in Russland und jene vom November 1918 in Deutschland jähren sich zum 100. Mal. Und noch ein weiteres Jubiläum reiht sich 2018 ein: Die „1968er“ – 50 Jahre globaler Aufbruch. Viele Anlässe also, die zusammengenommen eine einmalige Gelegenheit bieten, um sich mit den Etappen einer „Kritik nach Marx“, dem aktuellen Stand der Marx-Diskussion und der Gesellschaftskritik insgesamt auseinanderzusetzen. Aber auch, um diese Auseinandersetzung nach vorne zu wenden: Was sind die Aufgaben einer Kritik nach Marx heute?

Kritik „nach“ Marx

In den letzten Jahren wurde wiederholt die „Rückkehr von Marx“ festgestellt, zunächst um die Jahrtausendwende, als die sogenannte Globalisierung diskutiert wurde, dann noch einmal nach der großen Finanzkrise 2007/2008. Zu verdanken ist diese Renaissance der bis heute anhaltenden Marx-Aneignung, die vor gut 50 Jahren - um 1968 herum – begann und seinerzeit von den neuen sozialen Bewegungen mit ihrem Bedürfnis nach Gesellschaftskritik ausgelöst wurde. Dennoch führt der Weg zurück zu Marx durch die gesamte Geschichte des Marxismus hindurch. Marx ist untrennbar verbunden mit den Formen seiner Aneignung durch die Arbeiterbewegung und die politischen Strömungen, die sich auf ihn beriefen.

Dazu gehören die verschiedenen Etappen des Marxismus, leidenschaftlicher Streit und politische Spaltungen, die Sozialdemokratie und der Stalinismus, aber auch libertäre, antiautoritäre oder feministische Akteure, die an einer Kritik nach und mit Marx festhalten. Und nicht zuletzt ist Marx untrennbar verbunden mit der Ablehnung und dem Unverständnis auf Seiten seiner Gegner.

Auch Marx Werk selbst erschließt sich von seiner Geschichte her. Die Auseinandersetzung des jungen Marx mit der Religion und der Philosophie führte zu seiner Kritik der politischen Ökonomie, zum Kapital. Andersrum lassen sich von diesem Resultat her die vorherigen Schriften lesen und verstehen.

Doch das ist noch nicht die ganze Wahrheit. Marx ist nicht allein im Rückblick auf die Wirkungen seiner Kritik zu verstehen, es ist noch gar nicht endgültig entschieden, was diese Kritik noch bewirken und bedeuten wird. Ähnliches gilt für den 150. Jahrestag der Veröffentlichung des Kapital und den 100. Jahrestag der verschiedenen Revolutionen: Sie kehren nicht allein als Datum und Faktum wieder, sondern weil ihre Wirkungen noch nicht abgeschlossen sind und ihre Bedeutung nicht endgültig entschieden ist. Marx’ Kapital  kehrt ebenso wie die Revolutionen als Frage wieder, als Frage nach den Leerstellen, Fehlern und offenen Versprechen. Karl Marx und seine Kritik der politischen Ökonomie, die Revolutionen der Jahre 2017/2018 und auch 1968, das Jahr des weltumspannenden Aufbegehrens, sind Botschaften durch die Zeit, halb geöffnete Türen in der Geschichte, die unabgeschlossenen, unvollendeten und unbeantworteten Fragen vergangener und zukünftiger Emanzipationsbewegungen.

Wiederkehr braucht aktive Aneignung. Dafür rufen die Rosa-Luxemburg-Stiftung und die Helle Panke die Online Plattform „marx200.org“ ins Leben. Dieses Portal will Aktivitäten rund um die Jubiläen sammeln, veröffentlichen und verbreiten, es soll aber auch weitergehende Informationen liefern, Diskussionen anstoßen und abbilden.